Block'n'Road von Steffen Kern

block_n_roadWer träumt nicht von einem Roadtrip durch den einsamen Südwesten der USA, – noch dazu wenn die Hauptziele dieser Reise zu den bekanntesten Boulderspots der Welt gehören? Steffen Kern, seines Zeichens Redakteur von „klettern“, hat sich diesen Traum erfüllt und einige der bekanntesten Boulderspots der Welt wie Yosemite, Hueco Tanks und Bishop nicht nur besucht, sondern über einen längeren Zeitraum erlebt. In  Block'n'Road erzählt er auf über 200 Seiten von zwei Monaten Reisealltag, von interessanten Begegnungen, von der Freiheit allein zu Reisen und von tausenden zurückgelegten Meilen...

 

 


 

Kern lässt dabei hauptsächlich Bilder für sich sprechen, da es, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nahezu unmöglich ist die großartigen Weiten der bereisten Landschaften mit Worten zu beschreiben. Und so finden sich neben zahlreichen kleinen, auch viele großformatige ein- bzw. doppelseitige Fotos, die uns das Erlebte visuell näher bringen. Ergänzt werden die Bilder durch kurzweilige, amüsante Anekdoten und Kurzgeschichten gespickt mit jeder Menge Wortwitz: „Im Yosemite Valley zu bouldern, sei wie im Bordell zu Masturbieren. Zum Glück bin ich nicht der einzige Wichser!“

Es beginnt schon damit, dass das Gepäck bereits beim Hinflug verloren geht und Kern deshalb länger in San Francisco festhängt als geplant. Und anstatt sich im Yosemite Valley die Finger wund zu bouldern ist er zum Bier Trinken in einem Hostel verurteilt  -  was sich aber später doch als glückliche Fügung entpuppt.  Es sind diese unvorhergesehen Ereignisse die einen Roadtrip ausmachen, denn sie führen zu neuen, unerwarteten und eben nicht geplanten Erlebnissen, guten wie schlechten – und darum geht es letztendlich ja auch, schließlich befindet man sich auf einer Reise und nicht im Urlaub! Kern erzählt von gemeinsamen Abenden am Lagerfeuer, von einsamen Nächten mitten im Nirgendwo, vom sich kennenlernen und sich verabschieden müssen.

In Block'n'Road geht es weniger um große Protagonisten und Kletterberühmtheiten, sondern um Boulderer wie dich und mich, die keine High-End Boulder knacken, sondern die Freude am Bouldern, die Freude am draußen sein miteinander teilen und auf ihrem Level die gleichen Glücks – und Frustrationsmomente erleben wie die Profis. Und so kann das Abhaken eines V2 warm-up Problems schon mal „zum physischen und psychischen Grenzgang“ werden.

Block'n'Road ist glücklicherweise keine reine Auflistung, wann, wie und wo welches Problem in welcher Schwierigkeit geklettert wurden. Trotzdem fehlt die genaue Beschreibung einzelner Linien und des oft tagelangen Kampfes um die lang ersehnte finale Lösung nicht – schließlich ist Block'n'Road  ja auch ein Buch übers Bouldern.

Besonders brauchbar für all jene, die einen ähnlichen Trip geplant haben, erweist sich das Kapitel Infos am Ende des Buches. Hier hat Kern zahlreiche nützliche Infos zu den einzelnen Boulderspots inklusive kleiner Übersichtskarten  zusammengetragen (Stand 2010). 

Ich genieße die Lektüre dieses Buches und bekomme eine gehörige Portion Fernweh. Schließlich war ich an den meisten beschriebenen Boulderspots schon selbst, bin viele der erwähnten Probleme geklettert, haben in den selben Ortschaften, Kaffees und Bars Halt gemacht und natürlich Ähnliches erlebt. Und ich kann dem Autor nur zustimmen wenn er schreibt „Mehr und länger und öfter... herzlich gerne auch ein weiteres Mal in die Gebiete die ich diesmal besucht habe... Block'n'Road again „ – hoffentlich!

Fazit:

Block'n'Road ist ein tolles Buch für all jene, die schon eine ähnliche Reise durch den Südwesten der USA gemacht und dabei verpasst haben, ihre eigenen Eindrücke in einem Tagebuch festzuhalten. Auch denen, die einen solchen Trip planen und sich abseits von den üblichen Reiseführern darauf vorbereiten wollen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Für alle anderen gilt: Finger weg, es besteht absolute Fernwehgefahr!!!

Kleiner Tip am Rande: Infos rund ums Bouldern in Kalifornien, Nevada und Utah findet ihr auch auf unserer Homepage. 

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