Testbericht Sicherungsgerät Alpine Up

Seit einiger Zeit bin ich auf der Suche nach einem selbstblockierenden Sicherungsgerät für Mehrseillängentouren/Doppelseile, da ein solches meiner Meinung nach ein beachtliches Plus an Sicherheit gegenüber den üblichen Sicherungsgeräten bieten würde. Da traf es sich gut, dass mir VerticalExtreme das Sicherungsgerät Alpine Up zum Testen zur Verfügung stellte...

 

Bisher benutzte ich den Reverso von Petzl – klein, leicht, praktisch, gut - wenn alles super läuft. Wenn aber z.B. der Sicherer von einem Stein getroffen wird, der Vorsteiger auf den Sicherer stürzt oder dieser einen Augenblick unachtsam ist, dann kann es wirklich gefährlich werden. Mit dem Alpine Up von Climbing Technology ist nun ein Sicherungsgerät speziell auch zum Alpinklettern bzw. auch zur Verwendung mit Halb- und Zwillingsseilen auf den Markt gekommen und da ich von seinem „Bruder“ dem Click-Up bisher nur Gutes gehört habe, legte ich mir das neue Gerät zu.

Der erste Eindruck, besonders was die Bedienungsanleitung betrifft, ist ein wenig verwirrend – ist der Alpine Up echt so kompliziert?!  Nein ist er nicht! Er kann nur relativ viel. Das Handling ist logisch und wird durch die gute Beschriftung am Gerät zusätzlich sehr erleichtert (wie auch beim GriGri oder Reverso). Ein großer Pluspunkt ist, dass durch kräftigen Zug am „Vorsteigerseil“ nach oben ganz einfach getestet werden kann, ob alles richtig eingehängt ist, denn wie beim GriGri blockiert dabei das Seil (wenn es nicht blockiert, ist was falsch eingehängt). Diesen kurzen Test würde ich prinzipiell bei jedem Start empfehlen!

Was der Alpine Up nun alles kann, beschreibe ich an dieser Stelle nicht ausführlich sondern beschränke mich auf die Anwendungen, die ich (und wohl die allermeisten Kletterer) benutze: Vorsteigen/Nachsteigen, am Standplatz sichern und Abseilen.

 

Körpersichern des Vorsteigers am Standplatz:

Das Sichern des Vorsteigers funktioniert einwandfrei - einziges Manko ist das durch starken Zug am Seil (wenn sehr schnell Seil ausgegeben wird oder sich die Seile verhängen) der Blockiermodus ausgelöst wird und dann dauert das Ausgeben des Seils etwas länger. Mit etwas Übung ist das aber kein großes Problem. Achtung! ein Vorstiegssturz ohne Zwischensicherung bei Mehrseillängen kann NICHT gehalten werden, da der Zug in diesem Fall direkt nach unten geht. Eine zusätzliche Expresse am Standplatz löst jedoch dieses Problem.

 

Sicheres Nachsteigen:

Durch eine Befestigungsmöglichkeit kann das Alpine Up auch am Standplatz direkt befestigt und zum Nachsichern von einem oder zwei Kletterern verwendet werden.

 

Abseilen:

Es kann im selbstblockierenden Modus abgeseilt werden (ähnlich wie mit dem GriGri mit einem Hebel). Ich bevorzuge das Abseilen im dynamischen Modus. Den dynamischen Modus aber ausschließlich mit einer zusätzlichen Prusikschlinge bzw. Prusikknoten im Seil benutzen!!

 

Wie ich den Alpine Up verwende:

Körpersichern am Standplatz kommt für mich generell nur bei Standplätzen mit zwei Bohrhaken in Frage. In klassischen alpinen Routen verwende ich die HMS-Sicherung am Standplatz.

Selbstsicherung (mit Mastwurf oder langer Schlinge) lang genug anbringen, sodass man möglichst tief unter dem Standplatz hängt. In einem Bohrhaken eine Expressschlinge mit zwei Schraubkarabinern hängen und dort das Seil des Nachsteigers einhängen. Nun in den Alpine Up das Seil einhängen und den Blockiertest machen (Seile werden so in den Blockiermodus gezogen). Zum Sichern des Nachsteigers kann der Blockiermodus beibehalten werden (das Seil lässt sich immer leicht einziehen). Es kann so mit dem Alpine Up einwandfrei mit einem selbstblockierenden System ein Nachsteiger gesichert werden. Wenn dieser das Seil belastet, kann dieses mit einem Hebel recht einfach gelockert werden, was beim Reverso z.B. nicht so leicht möglich ist. Wenn der Nachsteiger am Standplatz angelangt ist, kann der Materialtausch ausgeführt werden, ohne dass sich dieser zusätzlich am Standplatz sichern muss – er hängt immer noch im Blockiermodus des Alpine Up. Wenn der Nachsteiger bereit ist mit dem Vorstieg zu beginnen, zieht der Sicherer die Seile aus der Blockierposition und weiter geht's, ohne dass das Gerät ausgehängt wurde.

Mit dem Alpine Up ist es also möglich, den Wechsel am Standplatz von Nachstieg zu Vorstieg zu machen, ohne dass irgendetwas umgehängt werden muss, was wiederum nicht nur Zeit sondern vor allem ein Sicherheitsplus bringt.

 

Fazit:

Der Alpine Up ist genau das Sicherungsgerät für alpine Sportklettertouren, das ich gesucht und nun gefunden habe. Absolute Empfehlung!

Ein Kritikpunkt, den ich öfters gehört habe, ist die Größe und das Gewicht des Alpine Up - bei einem Gewicht von 180g und der absolut noch handlichen Größe für mich kein Argument. Der AlpineUp ist geeignet für Halb- oder Zwillingsseile von 7,7 - 9,0 mm und Einfachseile von 8,9 - 10,5 mm und sollte unbedingt mit passendem Karabiner gekauft werden!

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