Bouldern auf Sardinien

k1024_35Sardinien ist ein Paradies für Sportkletterer – aber auch für Boulderer?

Eine endgültige Antwort darauf bleiben wir euch leider schuldig, dafür war unser einwöchiger Trip Anfang Februar einfach zu kurz. Für ein erstes Kennenlernen hat es aber gereicht, und ja, wir kommen wieder!

Nachstehend nun unser Bericht, und die Pics dazu gibt’s wie immer in unserer Gallery

 


 

      Bouldern allgemein

      Die Umgebung von Nuoro

      -Orani

      -Ollolai

      -Orotelli

      -San Teodoro

      -Bosco di Selene

      Infos & Topos      

      Anreise

      Unterkunft und Verpflegung

 

Bouldern  allgemein

k640_160Unser erster Eindruck: So richtig viel gebouldert wird auf Sardinien nicht. Wir haben eine Woche lang auch an Tagen mit Traumbedingungen nicht eine Menschenseele getroffen. Wahrscheinlich liegt das einfach daran, dass es hier zu viele  Möglichkeiten gibt - die ganze Insel ist nämlich übersät mit Blöcken, Blöcken und nochmal Blöcken. Blöcke am Meer, Blöcke auf Hügeln, Blöcke im Wald, Blöcke auf der Wiese. Die Dinger stammen dabei nicht von Felsstürzen, sondern sind die Überreste von kleinen Granitgipfeln und -hügeln, welche im Laufe der Zeit durch Wind und Wetter überprägt und zu bizarren Formen modelliert wurden. Leider ist der Granit auf Sardinien größtenteils recht rauh und teilweise auch brüchig. Trotzdem haben sich in den letzten Jahren (neben zahlreichen kleineren Spots) 3 größere Boulderzentren entwickelt: Im Norden das Capotesta, Tempio und Olbia, im Zentrum die Gegend um Nuoro und im Süden Cagliari und Umgebung.

Gebouldert wird, wie gesagt, auf Granit mit meist rauher Körnung, der gut Haut frisst, an den man sich aber gewöhnen kann. Die größte Zahl der Probleme stellen Plattenboulder (Muri) dar, von denen es hier unendlich viele gibt. Dazwischen liegen immer wieder auffällige Blöcke, in die Wind und Sand skurrile Formen geschliffen und Problemen an steilen Dächern mit Huecos (Tafoni) geschaffen haben. Man klettert an Leisten, offenen Löchern und an größeren Kristallen, und in Überhängen gibt’s auch durchaus mal richtige Henkel. Die Größe der Blöcke fällt unterschiedlich aus, erreicht aber eine Höhe von bis zu zehn Metern.

cala gononeDer Granit ist oft recht bröselig, was besonders dort ein Problem darstellt, wo Linien nicht oft geklettert werden oder man Linien erstbegehen möchte. Ohne Drahtbürste wird’s dann schwierig, da man sich erst durch gefühlte zwei Zentimeter Granit putzen muss.  Aufpassen ist auch bei Schuppen angesagt, da die leicht ausbrechen. Aber überall dort wo „viel“ geklettert wird und die Linien sauber sind, kann man sich bedenkenlos dem Bouldervergnügen hingeben.

Leider befinden sich viele Spots auf Privatgrund, d.h. konkret für die Umgebung um Nuoro: außen ist Stacheldrahtumzäunung, innen sind Schafe, Esel, Pferde, Rinder und kläffende Hunde. Angeblich werden Boulderer dort zwar meistens geduldet, das kann sich aber je nach Pächter immer wieder ändern. Die ganze Situation verursacht ein irgendwie komisches Gefühl, man kommt nicht umhin, sich als ungebetener Eindringlich zu fühlen und wird von den Hunden auch schon mal als solcher begrüßt.

 

Die Umgebung von Nuoro

oraniDa wir uns aus Zeitgründen auf eine einzige Region beschränken wollten, haben wir uns für die Spots rund um Nuoro entschieden und besuchten Orani, Orotelli und Ollolei mit Stippvisiten in San Teodoro und im Bosco di Selene. Und hatten Glück damit. Während sich in den Küstenregionen bis in den Nachmittag hinein meistens dichter Nebel hielt, war das etwas höher gelegene Inland nebelfrei, windstill und untertags auch mal angenehm warm. Hier nun eine Kurzbeschreibung der einzelnen Gebiete:

 

 

Orani

Anfahrt: (Anfahrtsskizze) Von Orani der Straße in Richtung Ottana folgen und nach ca. zwei Kilometern, kurz bevor man rechterhand die gelben Silos eines Steinbruchs erreicht, links entlang der Straße parken. Dort über den Feldweg und einen kleinen Bach überqueren. Direkt nach Trafohäuschen am Bach über den Zaun steigen. Dann am Rande des Grundstücks entlang und den Hügel hoch, dabei sich eher rechts halten. Bitte haltet euch an die bei bloccobirra.com angegebene Zustiegsskizze!!

orani patagonia expressGebietsinfo:  Vor gut zehn Jahren entdeckten die Jungs von bloccobirra.com die bizarren Felsformationen etwas unterhalb von Orani als ersten Spot in der Umgebung von Nuoro und befreiten dort über 50 Linien im Bereich von IV bis 8A.

Die Blöcke liegen auf privatem Weideland an einem N – NW ausgerichteten Hang, wobei die Sonne den ganzen Tag zwar streift, aber selten richtig trifft. Bis auf einen Block im unteren Bereich („Alla ricerca del Punto G“) findet man in diesem Sektor eher kleinere Blöcke bis zu drei Metern Höhe. Es gibt hier sowohl Plattenboulder als auch die klassischen wabenartigen Überhänge.

Achtung: Da sich der Spot auf privatem Weideland befindet, müssen unbedingt folgende Regeln eingehalten werden:

-entlang der Straße parken und nicht aufs Grundstück fahren!

-über den beschriebenen Zustieg ins Gebiet einsteigen!

-Vorsicht beim Überklettern der Zäune!

-Vieh nicht erschrecken!

 

 

orani - ballaloi in carozzaBei unserem Besuch hatten wir leider wenig Glück. Eine der schönsten Linien (Bistecca) war vom lieben Vieh dermaßen zugedreckt, dass an ein Klettern nicht zu denken war. Die Hälfte der Boulder höher am Hang war nass (die Tage zuvor hatte es geregnet) und viele Linien waren leider auch schon wieder zugewachsen. Zum Teil hat sich in schattigen Ecken auch Rauhreif bis weit über Mittag gehalten.

 

 Beste Jahreszeit: Trotz der relativen Nordlage ist es in Orani in den Sommermonaten viel zu heiß und der Fels speichert auch nach Sonnenuntergang viel Wärme, sodaß man auch in den späten Abendstunden kaum klettern kann. Außerdem gibt’s in den warmen Monaten dort massenhaft Zecken. Die Bouldermonate beschränken sich hier auf November bis März/April.

Topo: Pietra di Luna (2002)  oder online auf bloccobirra.com

 

Ollolai

k1024_img_3468Anfahrt: (Anfahrstskizze) Von Ottana der Straße nach Sarule folgen und weiter in Richtung Govai, dann nach Ollolai abbiegen. Sobald man die Häuser erreicht sich rechts halten und zur Chiesa San Basilio abbiegen. Der engen asphaltierten Straße auf den Hügel folgen und dort rechts zur Ausgrabungsstätte Sa Onca Vrabi abbiegen. Nach 50m inmitten der Blöcke parken.

Gebietsinfo: Der Spot befindet sich auf ca. 1100 m im Wald inmitten eines urgeschichtlichen Siedlungsplatzes. Dieser Eichenwald mit seinen fast haushohen Blöcken hat eine ganz eigene, mystische Atmosphäre.

Erschlossen wurde das Gebiet hauptsächlich vom Local Marco Busso und Cristian Core im Jahre 2001. Aber es scheint als hätte sich seit damals kaum etwas getan, vieles ist wieder zugewachsen. Wir finden auf Anhieb ein paar neue (?) Linien, und es ist noch genug potential vorhanden. Die Kletterei ist hier kraftbetont an Leisten und offenen Kanten und der Stein ist sehr rauh. Auffälligerweise kommen hier die markanten Tafoni nur vereinzelt vor.

Beste Jahreszeit: Das Gebiet liegt auf 1100m ü. M. und aufgrund seiner Lage im Wald kann hier auch an wärmeren Tagen noch gut gebouldert werden.

Topo: Pietra di Luna (2002)

 

Orotelli

Anfahrt: Von Nuoro aus über die SS131 in Richtung Cagliari. Die Ausfahrt Orotelli/Orani und der Straße SS537 in Richtung Orotelli folgen.

orotelliZufahrt zu Sektor Inbabagiano: In Orotelli vorbei an der Pizzeria und ca. 150 m nach dem Gemeindegebäude links in eine bergauf führende Straße einbiegen. Der Straße bis auf eine Anhöhe folgen und hier auf dem Parkplatz parken. Der Zustieg zum Gebiet erfolgt in ca. 5 Minuten über einen kleinen, dem Parkplatz gegenüber liegenden Pfad zwischen den Häusern, vorbei an einem kleinen Brunnen und den Hügel hoch. (Anfahrtsskizze)

Gebietsinfo:  Die Ortschaft Orotelli liegt auf ca. 300 m in einem Meer aus Blöcken, und das Gute daran: viele davon eignen sich zum Bouldern. Im Grunde weiß man nicht so recht, wo man beginnen soll.

Laut bloccobirra.com sind sieben Sektoren erschlossen, zwei davon liegen auf öffentlichem Grund, der Rest auf privatem Weideland.

orotelli1Aufgrund der bereits erwähnten Problematik mit dem Privatbesitz, zweier äußerst aggresiv wirkender Hunde und der Unauffindbarkeit der anderen Sektoren, mussten wir uns auf den Sektor Inbabagiano beschränken, der uns aber immerhin vom Bürgermeister höchstpersönlich empfohlen wurde. Er liegt im Osten der Zone oberhalb des Dorfes auf Gemeindegrund und hat einen kurzen Zustieg, tolle Linien und sowieso und überhaupt ein super schönes Ambiente, mit einem traumhaften Blick über das weite Land und die zahllosen, teils bis zu 10 m hohen Blöcke, die da überall rumliegen. Klettertechnisch gibt‘s hier auch so ziemlich alles, was das Herz begehrt: von der Platte über Risskletterei bis zu überhängenden Dächern mit Tafoni. Zudem gibt es hier noch massenhaft Erschließungspotential. Dieser Spot scheint einigermaßen gut besucht zu sein. Die Linien (v.a. die in den höheren Schwierigkeitsgraden) sind in gutem Zustand und kaum bröselig, nur die leichteren Tafoni-Boulder könnten noch eine Drahtbürstenbehandlung vertragen. Einziger Wehrmutstropfen: der Granit ist wieder recht grobkörnig und frisst besonders an wärmeren Tagen viel Haut.

privatgrund orotelliAchtung! Angeblich sind in Orotelli schon parkende Autos von aufgebrachten Anrainern oder Pächtern geknackt oder beschädigt worden. Also nichts im Auto lassen und bitte verhaltet euch entsprechend rücksichtsvoll. Lagerfeuer und Wildes Campen sind hier absolut verboten und nicht zu empfehlen!!! Nachts wird hier nämlich scharf geschossen, wie uns der Bürgermeister mit einem breiten Grinsen im Gesicht erzählte.

Beste Jahreszeit:  Von April bis September sollte man Orotelli absolut meiden! Die Temperaturen erreichen dann Saharawerte und auch während der Nacht kühlt der Fels kaum ab. In den Wintermonaten hingegen findet man hier ein kleines Boulderparadies mit klarem Himmel, grüner Wiese und Bombenreibung.

Topo ist uns leider keins bekannt, aber auf bloccobirra.com findet ihr eine Übersicht zu den einzelnen Sektoren.

 

San Teodoro

Zwei kleinere Spots direkt über der Autobahn und natürlich wieder auf Privatgrund. Am Zaun waren Schilder mit „Proprietá privata“ und „Ingresso vietato“ einschließlich Totenkopf angebracht und so sind wir dann auch gleich wieder umgekehrt.

Für Mutige gibts ein Topo auf bloccobirra.com

 

Bosco di Selene

bosco di deleneAnfahrt: Von Lanusei aus der Straße in Richtung Gairo folgen. Nach wenigen Kilometern gelangt man in den „bosco di Selene“. Kurz bevor man nach Gairo hinunterfährt, links zur „zona archeologica di Selene“ abbiegen und dort in der Nähe der Bar parken.

Gebietsinfo: Der Spot liegt im Naherholungsgebiet von Lanusei in einem schönen Waldstück auf ca. 1000m Höhe. Die wenigen Blöcke reihen sich unmittelbar um eine prähistorische Grabstätte und sind leider größtenteils so niedrig, dass wir beinahe darüber gestolpert wären. Immerhin ist der Granit hier mal etwas feinkörniger. Hier gibt es ausschließlich Linien im unteren Schwierigkeitsberiech von 3 bis 6c+. Nach einer guten Stunde waren alle offensichtlichen Linien geklettert. Aber vielleicht haben wir auch einfach die richtigen Blöcke nicht gefunden!?!?!?

Topo: Pietra di Luna (2002)... leider sehr ungenau.

 

Infos & Topos

orotelli2Auf bloccobirra.com findet man viele wichtige Infos zum Bouldern auf Sardinien inklusive Online-Topos zu den bekanntesten Spots – allerdings nur auf italienisch und nicht ganz auf dem aktuellsten Stand.

Auf roccodomo.it gibt’s Topos zu den Gebieten Limbara und Aggius bei Tempio Pausanea.

Zahlreiche weitere Boulderspots quer über die ganze Insel (u.a. Orani, Ollolai und Bosco di Selene) sind im Kletterführer "Pietra di Luna" von Maurizio Oviglia aus dem Jahre 2002 beschrieben. Demnächst soll eine Neuauflage erscheinen.

Und für diejenigen, die das Kletterseil dabei haben, gibts einen super Bericht zum Thema Sportklettern auf Sardinien auf klettern.de

Zu guter Letzt noch zwei nette Videos: Video 1  und  Video 2

 

Anreise

fähreMit dem Flugzeug:  Auf Sardinien gibt es zwei internationale Flughäfen:  Olbia im Norden und Cagliari im Süden. Günstige Mietwagen gibt’s (zumindest in den Wintermonaten) ganz unkompliziert direkt am Flughafen.

Mit dem eigenen Auto:  Die großen Autofähren von Moby Lines oder Sardinia Ferries starten mehrmals täglich von Livorno oder Genua aus nach Olbia oder Porto Torres. Auch hier gibt’s immer wieder super günstige Angebote.

 

Unterkunft & Verpflegung

usurtalaSardinien scheint im Februar kein beliebtes Reiseziel zu sein. Wir trafen so gut wie keine Touristen und besonders das Inland ist in den Wintermonaten wie ausgestorben. Dementsprechend hatten wir wirklich Probleme, im Landesinneren eine Unterkunft zu finden (fürs Übernachten im Freien war‘s uns bei nächtlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt doch etwas zu kalt). Zumindest in der Gegend um Nuoro gibt es außer einigen Agriturismi kaum touristische Infrastrukturen, auch die Campingplätze liegen fast ausnahmslos in den Küstenregionen. Nur in Nuoro selbst oder in Gavoi findet man noch einige Hotels, die auch Bed & Breackfast anbieten. Schlussendlich haben wir uns im Agriturismo „Usurtala“ oberhalb von Orani (zentral gelegen und  die meisten Spots in max. 20 Min zu erreichen) nett und günstig eingemietet. Leider gabs für „nur“ zwei Gäste keine warme Küche und jetzt kommen wir gleich zum nächsten Problem: Die innersardischen Dörfer sind zwar relativ groß, verfügen aber nicht zwingend über eine Pizzeria oder ein Restaurant. In Orani kann man zum Glück in der Pizzeria Club 64 (am Montag geschlossen) gut und günstig essen. Auf Anfrage gibts außer Pizza auch sardische Küche - allerdings nicht vor 19:30 Uhr, der Durchschnittssarde isst nämlich erst gegen 21 Uhr! Zudem hat fast jedes Dorf einen kleineren Laden, in welchem man sich mit dem Nötigsten eindecken kann. Man kommt also schlussendlich doch irgendwie über die Runden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Orani

Anfahrt: (Anfahrtsskizze) Von Orani der Straße in Richtung Ottana folgen und nach ca. zwei Kilometern, kurz bevor man rechterhand die gelben Silos eines Steinbruchs erreicht, links entlang der Straße parken. Dort über den Feldweg und einen kleinen Bach überqueren. Direkt nach Trafohäuschen am Bach über den Zaun steigen. Dann am Rande des Grundstücks entlang und den Hügel hoch, dabei sich eher rechts halten. Bitte haltet euch an die bei bloccobirra angegebene Zustiegsskizze!!
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